Ibn Taymiyya: Liebe und Hass im Islam

BISMILLAH-IR-RAHMAN-IR-RAHIM

 

Auch Imam ibn Taymiyya -rahimahullah- befasste sich in seinem Buch Al-amr bi’l ma’ruf wa n-nahy ‚an al-munkar (Das Gute gebieten das Schlechte verbieten) mit der Thematik der Liebe und des Hasses im Islam.

Liebe und Hass im Islam

Das wesentliche an der Liebe und am Hass im Islam sind, dass des Menschen Liebe und Hass, sein Verlangen und sein Ablehnen, der Liebe, dem Verlangen und der Ablehnung Allahs (t) entspricht, und dass er entsprechend seiner Kraft das was er verlangt tut oder das was er ablehnt verlässt. Denn Allah (t) legt jedem nur gemessen an seiner Kraft (geistig und körperlich) Verantwortung auf (Taklif).
Allah (t) sagt:
So fürchtet Allah, soviel ihr nur könnt, und hört und gehorcht und spendet. (Sure At-Tagabun, Aya 16)
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Das Streben nach Ansehen (حب الجاه) und Augendienerei (الرياء)

BISMILLAH-IR-RAHMAN-IR-RAHIM

 

Ahmad berichtet:

حَدَّثَنَا يُونُسُ حَدَّثَنَا لَيْثٌ عَنْ يَزِيدَ يَعْنِي ابْنَ الْهَادِ عَنْ عَمْرٍو عَنْ مَحْمُودِ بْنِ لَبِيدٍ
أَنَّ رَسُولَ اللَّهِ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ قَالَ: إِنَّ أَخْوَفَ مَا أَخَافُ عَلَيْكُمْ الشِّرْكُ الْأَصْغَرُ قَالُوا وَمَا الشِّرْكُ الْأَصْغَرُ يَا رَسُولَ اللَّهِ قَالَ: الرِّيَاءُ يَقُولُ اللَّهُ عَزَّ وَجَلَّ لَهُمْ يَوْمَ الْقِيَامَةِ إِذَا جُزِيَ النَّاسُ بِأَعْمَالِهِمْ اذْهَبُوا إِلَى الَّذِينَ كُنْتُمْ تُرَاءُونَ فِي الدُّنْيَا فَانْظُرُوا هَلْ تَجِدُونَ عِنْدَهُمْ جَزَاءً
Mahmud bin Labid berichtete: Der Gesandte Allahs (s.a.s.) hat gesagt: „Was ich am meisten für euch fürchte ist der kleine Götzendienst (arab. schirk)“, worauf sie fragten. „Was ist denn der kleine Götzendienst, o Gesandter Allahs?“, worauf er sagte: „Die Augendienerei (arab. rijā‘). Allah, der Erhabene, wird am Tag der Auferstehung, wenn den Menschen ihre Belohnung für ihre Taten gegeben wird, sagen: „Geht zu denen, für die ihr im irdischen Leben eure Taten verrichtet habt und schaut mal, ob ihr eine Belohnung von ihnen bekommt!“.“

(Ahmad 5/228 und 229 / Al-Basjuni und Albani sagen sahih)

Ibn Qudama sagt sinngemäß:
„Völlig sicher vor dem Nachgeben dieses verborgenen Triebs – dass man etwas um der Menschen Willen macht – sind nicht einmal die großen Gelehrten, ganz zu schweigen von den gewöhnlichen Gottesdienern.
Mit dieser Krankheit werden die Gelehrten und die ernsthaften Gottesdiener, die sich bemühen, das Jenseits zu begehren, geprüft.
Denn nachdem sie ihr Ego und ihre Triebe so gezähmt haben, dass sie kein Verlangen mehr nach den äußeren Sünden verspüren, findet das Ego auf einmal Genuss am Zurschaustellen von Wissen und (guten) Taten. Das Ego findet in der Anerkennung und dem Respekt der Menschen einen Ausweg aus der Härte des Selbsttrainings (arab. mudschahada) und fängt an, dies zu genießen …
Ein solcher Mensch wähnt sich selbst aufrichtig (arab. mukhlis) vor Allah zu sein, und ist dabei (bei Allah) im Katalog der Heuchler eingetragen.
Vor dieser Schliche ist niemand gefeit außer den Gott Nahestehenden (arab. muqarrabūn). Und aus diesem Grund wird gesagt: Das letzte, was aus den Köpfen der Siddiqūn (diejenigen, die stets die Wahrheit sagen; die Wahrhaftigen) austritt, ist die Liebe dazu, die Führung inne zu haben (d. h. die Liebe dazu, „der Chef zu sein“).“

„Wenn dies also eine verborgene Krankheit ist, welche die größte aller des Teufels ist, muss man die Gründe, das Wesen und die Arten dieser Krankheit ausführlich erläutern“.
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Die Triebseele (an-Nafs) und die Stufen ihrer Erziehung

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Zentraler Mittelpunkt des menschlichen Wesens ist seine TRIEBSEELE bzw sein EGO (arab.: an-Nafs). Wer es schafft sein Nafs zu erziehen, der entzieht dem Schaytan die Grundlage seines Wirkens. Die Gelehrten des Islams haben sich ausführlich mit dem Nafs auseinandergesetzt und haben die Stufen seiner Erziehung klassifiziert. Der folgende Texte ist ein Ausschnitt aus der Publikation Das Menschen- und Seelenbild im Islam oder Grundzüge einer islamisch pädagogischen Psychologie von Dr. Samir Suleiman und Dipl. Psychologin Chawla Muhammad (www.qalam.de). Und ich nenne ihn…

Die Triebseele (an-Nafs) und die Stufen ihrer Erziehung

Betrachten wir nun also die TRIEBSEELE bzw das EGO (arab.: An-Nafs), so ist zunächst einmal festzuhalten, dass dies jener Teil des Menschen ist, der ihn insofern zur Person werden lässt, als er ihm ein „Ich“ verleiht. Auch ist es jener Bereich, der in besonderem Maße mit dem Körper verknüpft ist und den Menschen dazu bewegt, seine körperlich-biologischen Bedürfnisse zu stillen. Auf diese Weise kommt dem Ego hier zum Beispiel im Rahmen des Selbsterhaltungstriebs eine sinnvolle Aufgabe zu, indem der Mensch sich als eine Person begreift, die es zu erhalten gilt.
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Wesensanalyse von Imam al-Ghazali (2. Teil)

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Teil 2: Die Streitkräfte des Herzens
Aus Kimiya-i-Saadat vom Imam al-Ghazali -rahimahullah-
überarbeitet von Yahya ibn Rainer


Wisse
: Der Leib ist das Königreich des Herzens, und in diesem Königreiche sind dem Herzen mancherlei Streitkräfte untertan:

Aber niemand weiß über die Heerscharen deines Herrn Bescheid außer Ihm
74:31

Das Herz ist geschaffen für die jenseitige Welt, und seine Aufgabe ist das Suchen seiner Glückseligkeit. Seine Glückseligkeit aber besteht in der Erkenntnis Allahs. Die Erkenntnis Allahs erlangt das Herz durch die Erkenntnis der Werke Allahs. Diese gehören der Sinnenwelt an, und da erlangt das Herz die Erkenntnis der Wunder der Welt durch die Sinne, diese aber bedürfen wiederum zu ihrem Bestehen des Leibes. So ist also die Erkenntnis für das Herz das Wild, die Sinne sein Jagdnetz, der Leib sein Fahrzeug und zugleich der Träger des Netzes. Das ist der Grund warum das Herz des Leibes bedarf.
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Wesensanalyse von Imam al-Ghazali (1. Teil)

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Hier habe ich noch einen Text von Imam Ghazali -rahimahullah- zu diesem Thema. Der Text stammt aus seinem Buch Kimiya-i-Saadat und erklärt sehr schön welchen Einfluß das Herz, die Sinne, Begierden und Neigungen auf den Charakter haben. Ich habe den Text ein wenig überarbeitet, falsche Quellenverweise verbessert und einige philosophische und sufische Übertreibungen entfernt. Zudem habe ich den Text in 3 Teile gesplittet.

Teil 1: Die Selbsterkenntnis
Aus Kimiya-i-Saadat vom Imam al-Ghazali -rahimahullah-
überarbeitet von Yahya ibn Rainer


Wisse:
Der Schlüssel zur Erkenntnis Allahs. ist die Selbsterkenntnis. Darum ist gesagt worden:
»Wer sich selbst erkannt hat, der hat seinen Herrn erkannt«,
und darum heißt es im Worte Allahs:
Wir werden sie Unsere Zeichen überall auf Erden und an ihnen selbst sehen lassen, damit ihnen deutlich wird, dass es die Wahrheit ist.
41:53
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Man muss dem Ego bzw. den Trieben auch ihr Recht geben

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Das Ego bzw. die Triebe haben wie bereits erwähnt ihre Aufgabe. Daher ist es nicht richtig, diese völlig zu unterdrücken und abzutöten.
Der Prophet (s.a.s.) hat gesagt:
„Du musst auch deinem Ego (arab. nafs) ein Recht geben“.
(Buchari, Muslim und Abu Dawud)

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Konkrete Wege, wie man seine eigenen Schwächen herausfinden kann

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Wenn Allah einen liebt, dann zeigt Er einem seine Fehler auf. Denn dann hat man die Gelegenheit, sich zu verbessern, bevor man in einem solchen schlechten Zustand zu Allah zurückkehren muss.
Die frühen Muslime waren denjenigen, die ihnen ihre Fehler aufzeigten, dankbar und liebten sie.
Ibn Qudama:
Umar (r.) hat gesagt: „Möge Allah einem (wörtl. dem Mann) barmherzig sein, der uns unsere Schwächen bzw. Fehler aufzeigt“.
Und heute ist es meistens so, dass die Leute, die einen kritisieren, einem am meisten verhasst sind. Dies ist aber eine Folge von mangelnder Demut…
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Wie man sein Ego trainiert, seinen Charakter reinigt und die Krankheiten des Herzens kuriert

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Ibn Qudama:

„Wisse, dass ein guter Charakter zu den Eigenschaften der Propheten und der Wahrhaftigen (arab. siddiqūn) gehört, und dass schlechte Charakterzüge tödliche Gifte sind, die denjenigen, der diese hat, in den Bereich der Verhaltensweisen des Teufels und ihn um eine ewige ehrenwerte Stellung (d. h. die ehrenwerte Stellung im Jenseits) bringt.
Deswegen musst du zunächst die Ursachen dieser schlechten Charakterzüge kennenlernen und daraufhin energisch an der Heilung dieser charakterlichen Krankheiten arbeiten.“

Was ist der „Charakter“?
Der Mensch besteht aus Körper und Seele. Die Seele, die man mit dem inneren Auge erfassen kann, ist bedeutender als der Körper und das äußerliche Aussehen. Allah, der Erhabene, sagt:

…Gewiss, Ich werde einen Menschen aus Lehm erschaffen. [38:71]
Wenn Ich ihn dann vollendet habe und in ihn von Meinem Geist eingehaucht habe… [38:72]
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Der Geschlechtstrieb

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Der Sinn des Geschlechtstriebs

Der Sinn des Geschlechtstriebs ist,

  1. dass sich der Mensch fortpflanzt und
  2. dass der Mensch die Freuden des Jenseits sich vorstellen kann anhand der Freude, die man beim Geschlechtsakt verspürt. Denn würde der Mensch keine Freuden im Diesseits haben, könnte er sich die Freuden des Jenseits gar nicht vorstellen und hätte auch kein großes Begehren, gute Taten zu tun, um diese Freuden des Jenseits zu erlangen.

Kontrollmaßnahmen gegen das ungezügelte Ausleben des Geschlechtstriebs

Jedoch führt unkontrolliertes Verhalten in diesem Bereich zu großen Übeln im persönlichen und im gesellschaftlichen Bereich.
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2. Teil der Wesensanalyse: Das Ego bzw die Triebseele (an-nafs)

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Die Triebe oder das Ego ist etwas Nichtmaterielles – Neigungen – , das dazu dient, den materiellen Körper zu erhalten. Dazu gehört der Hunger, der Geschlechtstrieb, der Selbsterhaltungstrieb usw. Würden diese Triebe nicht vorhanden sein, würde der Mensch möglicherweise sterben, weil er keine Nahrung aufnimmt. Ebenso würde die Menschheit aussterben.
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